Ich sattle dann einfach mal mein Pferd Fritz

Noch immer I Got A Name von Jim Croce im Ohr sitze ich hier und denke über meinen Job nach. Morgen ist es dann so weit, ich reite in meine Schule, in der ich meinen Vorbereitungsdienst mache. Das ist das, was man nach dem Studium macht, um dann als Lehrerin auf Schülerinnen und Schüler losgelassen zu werden.

Eigentlich hat es schon vor zwei Wochen begonnen…
… es ist wie an der Uni, man hat auch wieder lustige Veranstaltungen, in denen man zusammen sitzt und über Unterricht redet. Und zwischen meditativ angehauchten Pferdeschwanzpädagogen, ehemännernsuchenden Karrieremäuschen und introvertierten Selbstdarstellern meditiert man über Ein-und Ausstiege, wagt sich in Lernvoraussetzungen und wühlt sich durch Materialberge.
Doch zwischendurch gibt es leicht groteske Szenen – ich verwende bewusst nicht Begriffe wie kafkaesk, da mir momentan die linke Germanistenherzkammer blutet, wenn er von irgendwelchen eurhythmischen Karrierehaserln falsch verwendet wird. Eine dieser Szenen erinnerte mich an die Spaghettiwestern der Sechziger – zwei junge Männer stehen einander gegenüber und batteln sich mithilfe von Fachwörtern, um zu zeigen, wer der bessere Wissensvermittler ist. Dass sie sich dabei aufführen wie Hähne auf der Miste, mag ihnen aber keiner sagen.
Dass diese beiden Herren aber eine fast vier Jahre dauernde Neidfieseleibeziehung haben, die einen schon in der Uni ziemlich strapazierte, sollte man an dieser Stelle erwähnen. Der eine weinte, weil der andere das tollere Mädel hat und der andere weint, weil der eine eine halbe Note besser im Zeugnis ist. Und so bin ich wohl dazu verdammt, dieses Kräftemessen auszuhalten.

Und inmitten von Bildungsdiskussionen, Debatten um die Menschlichkeit und Studien darum, wie ein Lehrer zu sein hat, stehe ich, an einen Haufen Menschen gekettet, die bekifft von der Illusion eines besseren Ichs durch Weitergabe von Bildung, selig grinsend von Utopien labern. In mir gährt derweil eine riesige Menge Sarkasmus, der raus möchte.
Manchmal frage ich mich, warum ich diesen Job gewählt hatte. Ich mag die Arbeit, erkläre gerne und liebe meine Fächer – finde es schön, neue Wege zu gehen und an der Welt teilnehmen zu können. Doch gerade geht es mir wie einem Cowboy, der getrieben von Ideen und Idealen durch die Prärie reitet. Und während mein Pferd Fritz unter mit dahin wippt, vermisse ich meine Dr. King Schulz’s und Davy Crockets. Ich bin nun auch da draußen und weiß, dass ich sie anrufen und anmailen kann. Doch leider muss ich Fritz selbst am Laufen halten…
Dann packe ich mal meine Satteltaschen und reite weiter… Morgen in mein neues Abenteuer…

http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=hHVBzLGAIbU

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