Die libidinöse Identifikation des Referendars …

Die libidinöse Identifikation des Referendars mit seiner Schule

Vorbemerkung:

Ja, ich weiß, ich liebe Freud. Freud wurde mir in meinem Studium und auch darüber hinaus so etwas wie einer meiner Haupttheoriegeber. Neben Freud habe ich an den Herren Reich, Bernfeld, Kracauer und Benjamin einen ziemlichen Narren gefressen. Alle stammen aus der selben sozialen Schicht und hatten ähnliche Gedanken.

Als ich neulich auf einige Aufsätze stieß, die ich für mein Staatsexamen lesen musste, fiel mir einer meiner liebsten Begriffe wieder vor die Nase: Die libidinöse Identifikation. Als ich mich durch seitenweise Flugpenisse, Massen und Ornamente kämpfte, musste ich zwangsläufig an Phänomene meines Vorbereitungsdienstes denken. Das mit einem scheinbar riesig monströsen Eros verbundene Abhängigkeitsverhältnis, in dem der Referendar mit der Schule steht.  Wären manche Menschen ihren Freunden oder dem Partner nur halb so blind loyal, wie es manche meiner Kollegen sind, dann wären sie wohl die treuesten Seelen des Universums – und nebenbei noch wunderbare Soldaten und Soldatinnen.

Es liegt wohl dem Deutschen in den Tiefen der eigenen Seele, dass man dessen Lied gerne singt, der einem das Brot gibt. Und man hat dann doch lieber das fett belegte Schnitzelweckle des Berufsbeamtentums in der Hand als es in irgendeiner Form zu riskieren, es zu verlieren. Und dann nimmt man liebend gerne die angekätschte Panade, fehlender schulischer Ausstattung, das bereits jegliche Spannungsverhältnis verloren habende Salatblatt der Motivation von Kollegen und Schülern und die scheinbar völlig inhomogene Paste der Zusammenarbeit der einzelnen Institutionen in Kauf nur, um dann später seinen breitgewordenen Arsch fett ins Berufsbeamtentum drücken zu können.

Und über alldem schwebt die Identifikation mit dem Beruf  – nicht aus pädagogischer Passion, sondern, weil man eben seine Brötchen damit verdient. Aber es ist schließlich legitim. Lieber vermittelt man Stoff, als Dinge wie Softskills. Lieber zieht man sich wochen- und monatelang seltsame Fortbildungen zum Thema kooperatives Lernen und Anti-Mobbing rein, um es dann selbst nicht zu machen. Und der Referendar? Der traut sich schon gar nicht mehr zu denken, denn man will später genauso werden. Familie, Hund, Familienkutsche, Familienhäuschen: und mittendrin derjenige, der morgens Recht und mittags frei hat.

Dabei stellt man aber das System an sich nicht in Frage, sondern nur diverse Störfaktoren, wie Kollegen, die nicht so sind, wie man selbst gerne wäre, verhaltenskreative Schüler oder das Regierungspräsidium. Dabei ist man dann grundsätzlich der Meinung des jeweiligen Kollegen, der sich aufregt, der der Schulleitung, weil die tonangebend ist oder einfach die des Kumpels – man mag ja nicht diskutieren – da könnten Argumente kommen…

… lieber singt man dessen Lied, dessen Brot man isst und man hat sein kleinbürgerliches Leben zumindest so sicher, wie man sich schön neutral verhält und immer schön konform ist und das Brot futtert und schön weiterträllert. Aber ob das Brot bereits schimmelt, da schaut man bitte nicht nach.

http://whatshouldbetchescallme.tumblr.com/

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

%d bloggers like this: