Meinungen, Arschlöcher und so

Ja, mein altes Vorbild, Dirty Harry hatte Recht, Meinungen sind tatsächlich wie Arschlöcher und jeder, ja wirklich jeder hat eins.

Meine momentaner Arschlochmeinungsoverload zeigt sich tendenziell hyperaktiv beim Thema Homosexualität im tollen, neuen 2015-er Bildungsplan der Landesregierung baden- Württemberg. Und ja, ich bekomme Pickel und zwar die großen eitrigen am Popo, die mit Explosionspotenzial. Denn: Die Pietistische Befreiungsfront Südwestdeutschlands, der Pietkong hat wieder zugeschlagen. Neuerdings wird proklamiert, man solle den Passus, „Akzeptanz sexueller Vielfalt“ aus dem Bildungsplan streichen und sich stattdessen Werten wie Familie und heterosexuellen Lebensformen (im Idealfall mit Trauschein) zuwenden.

Ich hatte im Zuge dessen eine angeregte und sehr spaßige Diskussion mit einem Exkommilitonen, der, auch christlich-fundamental unterwegs, erklärte, man solle doch so tolerant sein, dieses vor Intoleranz triefende Manifest glaubenswütiger Turbochristen nicht negativ zu kommentieren. Deswegen entschloss ich mich nun, nicht, wie super in diesem Beitrag kritisiert und in meinen Augen auch sehr fundiert kommentiert, Stellung zu beziehen.

Nachlesen: Das lohnt sich!

http://errollsblog.wordpress.com/2014/01/10/stoch-ist-wutend-ich-auch/

Nein, ich äußere mich anders. In meinem Freundeskreis finden sich viele Menschen unterschiedlicher sexueller Orientierung wieder und ich kenne auch einige familien deren Kinder sich wünschen, einem anderen Geschlecht anzugehören. Gerade, wenn ich sehe, welche Qualen, Ängste und Leidensphasen diese Menschen durchmachten, frage ich mich, ist das im Sinne christlicher Nächstenliebe.

Vorneweg der Hinweis, liebe Leser: Ich selbst stamme aus einer Gegend, in der der Pietkong Kommunalpolitik, Kirchenpolitik und Moralbilder teilweise diktiert. Ich wurde in meiner schulzeit sehr oft wegen der politischen Tätigkeit meines Dads als Soze angefeindet und musste viele Diskussionen führen, die meist sexualmoralisch motiiert waren. Meine Mutter stammt aus einer sehr pietistischen Familie, meine Patin ist offene Kritikerin der Evolutionstheorie und meine Oma spendete Geld für die Judenmission in Israel. Ja, ich kenne diese Klienetel. Deswegen ist das, was nun kommt auch teilweise meine Geschichte.

Als Mädchen mit kurzen Haaren wurde man auch noch in den 2000ern seltsam beäugt, man wude angefeindet, wenn man als Jungscharmitarbeiterin des ejws Pietistenpropaganda einsammelte und ihrem Zweck, der örtlichen Müllvernichtung  zuführte und auf katholischen Beerdingungen das “Gegrüßet seist Du Maria” beten konnte. Aber in Sachen Argumentationsstrategien lohnt es sich…

Und eben als Mensch, der sehr tolerant aufwuchs, weiß ich, dass das in einem von Moralkorsagen geprägten Umfeld nicht einfach ist. Hauptkriktikpunkt unserer petitionellen Pietkongfraktion ist folgender Punkt: “dass Schülerinnen und Schüler die verschiedenen Formen des Zusammenlebens von/mit Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgender, Transsexuellen und Intersexullen (LSBTTI) kennen und reflektieren sollen, wie schwule, lesbische, transgender Kultur und deren Begegnungsstätten” kennenlernen könnten und sie unter Umständen Gefallen daran finden könnten. Die volksdeutsche Angst davor, die eigene Rasse könne aussterben und damit die Werte christlich-abendschlafender Ideologie könne vor die Hunde gehen, wird hier besonders schön deutlich.

Es wird angesprochen, dass Homosexualität, Kinder und Jugendliche zu potenziellen Drogernopfern mache und damit alle althergebrachten Werte an den Popo gingen.

Wiesu denn blus? Sind es nicht Anfeindungen und erheblicher psychischer Druck, die Menschen unter anderem zu Drogen greifen lassen? Heteronormative Wertbildung und auch die Rollenfixierung auf Bilder, die aus einer Zeit stammen, in der Männer mit Pickelhaube und Zwirbelbart durch die Botanik eierten? Dies unterliegt einem Christentumsverständnis, das ein von Kolonialismus geprägtes und von Angst und Ausgrenzung gezeichnetes Menschenbild beinhaltet, um Machtstrukturen zu erhalten? Genau dieses Menschenbild beruft sich auch heute noch auf einen Mann, der sich von Huren die Füße waschen ließ und mit Zöllnern, also römischen Geldeintreibern jüdischen Glaubens, an einem Tisch saß. Genau dieser Mann soll nun für die Ausgrenzung von Menschen herhalten, die eine andere, für einige Menschen leider auch krankhafte und gottlose, Neigung haben?

Mein Theologieprofessor meinte ein Mal zu mir: Jesus säße heute mit Zwangsprostituierten, AIDS-Kranken, Obdachlosen und Homosexuellen an einem Tisch und würde sie nicht verurteilen. Ich gehe sogar so weit, noch einen Transsexuellen und einen Intersexuellen mit an jenen Tisch zu setzen, in dem Wissen, genau sie werde von unserer heutigen Gesellschaft stigmatisiert.

Was würden diese Menschen machen, wenn ihr Kind homosexuell wäre? Es steinigen? Den Partner als Verführer stigmatisieren oder einfach einen Exorzismus durchführen? Würden sie den Menschen über dessen Geburts sie eins Lobpreisungen sangen, verstoßen? Manchmal glaube ich, dass man, wenn man die BIbel nicht vierhundert Mal gelesen hat, jenen Personen nicht würdig erscheint. Nur wird hier eins vergessen: Dieses dicke Buch mit seinen vielen Büchern ist ein historisches Dokument, das eine hoch moderne Botschaft in sich trägt: Liebe deinen Nächsten, so, wie du dich liebst. Liebe ihn und nimm ihn an.

.Und wer so mit seinen Mitmenschen umgeht, muss einen ziemlichen Selbsthass haben.

Ja, liebe Verwandtschaft, ich betrachte mich als teilweise enterbt. Aber ich kann von Menschen,die der Meinung sind, man liebt alle Menschen, außer die, die nicht heterosexuell sind, nichts annehmen. Jenen Menschen, die nach  8 Wochen heiraten, um endlich vögeln zu dürfen? Jenen, die Wasser predigen und Wein saufen? Die keine Verantwortung außer für sich übernehmen und nie auch im Entferntesten Fehler zugeben würden? Diese Menschen sind also gut und die Hüter einer christlichen Moral?

Diese Menschen würden auch den Grundschüler abstrafen, der ein Kleid statt Hosen trägt. Diese würden auch das lesbische Teeniemädchen therapieren wollen. Und genau diese Menschen beten gegen den Verfall der Moral an, statt das eigene Denken zu überdenken.

Denn auch ein Atheist kann ein toller Mensch sein, der tolerant lebt und wahrscheinlich christlicher ist, als viele derer, die andere für ihre Neigungen und Meinungen verurteilen. Denn die Diva der Popmusik, die sonst viel Quark von sich gibt, sagte einen tollen Satz.

I’m beautiful in my way
‘Cause God makes no mistakes
I’m on the right track, baby
I was born this way

In dem Sinne:

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2 thoughts on “Meinungen, Arschlöcher und so

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