Schwulettich

Deutschland deine Pädagogen… Ja, ich bin nicht mehr Innehaberin des ehrhaften Statusses einer Laminiererin. Und ich schnüffe vor mich hin. Aber ich bin auch froh, denn dieser Diskussion, die gerade in Baden- Württemberg läuft, hätte ich mich nicht entziehen können. Es geht darum, dass es nicht in den aktuellen Bildungsplan aufgenommen werden sollte, dass es Homosexuelle, Transsexuelle, Transgender ja nicht im Unterricht der Primar- und Sekundarstufe thematisiert werden. Etwas früher im vergangenen Jahr wurde bereits in Baden- Württemberg die Prüfungslektüre an Realschulen, Dirk Kurbjuweits “Zweier ohne” gekippt. Da sie scheinbar zu viele Sexszenen und angedeutete Homosexualität enthalte, sahen sich einige pietistische Eltern dazu genötigt, vor das Regierungspräsidium nach Stuttgart zu ziehen und Theater zu machen.

Was diese Eltern offensichtlich vergessen ist, dass Sex wohl das Thema der Pubertät ist und sich Jugendliche informieren – sei es in der Bravo oder auf Youporn. Und bevor die Eltern dieses Informieren mitbekommen, machen sie es eben heimlich. Dass sich dann aber bei jenen Jugendlichen sexualisierte Ideale einschleichen, sollte man vielleicht nicht außer Acht lassen. So sei es, nach diversen Aussagen von Schülern, Nachhilfekindern und anderen Jugendlichen völlig ok für Mädels, sich ins Gesicht wichsen zu lassen oder sich einfach mal mit einem Tischtennisball im Mund an einen Bettpfosten ketten zu lassen. Gleichzeitig glauben Jungs sie seien nicht normal, wenn sie keinen 80-Zenitimeter-Super-Porno-Ständer mit sich herumtragen.

Aber hey, Hauptsache, man verbietet Bücher, in denen es um’s Onanieren geht und unterschreibt Petitionen, bei denen man befürchtet, es käme zum moralischen Verfall der eigenen Kinder.

Aber warum trauen diese Eltern ihren Kindern kein Hinterfragen der Dinge an? Liegt es vielleicht daran, dass sie es ihnen nicht beigebracht haben. Ich erinnere mich an meine Jugend in einem dieser verschlafenen Nester an den Windungen des Pietkong in Süddeutschland. Nie hat eine der Töchter das Gepredigte hinterfragt und keiner der Söhne zweifelte an dem, was gesagt wurde. Ich wuchs in einer Kirchengemeinde auf, in der ich mit meinem Pfarrer stundenlange Streigespräche führen konnte, meine Eltern diskutieren sich auch heute noch in Grund und Boden. Deswegen wurde ich in meiner Schulzeit von den Anhängern der Pietistischen Front zur Moralisierung Südwestdeutschlands (Pietkong –> Wortschöpfung vom großartigen und genialen Erhard Eppler) grundsätzlich als teuflisch, böse und bekehrungswürdig angesehen. Mit den Folgen, dass ich gerne religiöse Bücher und Moralvorstellungen zerlege.

Warum akzeptieren es Eltern nicht einfach, dass sich ein Mensch den Weg zu seiner Sexualität selbst finden lassen muss. Man kann es als Eltern seinem Kind erleichtern oder erschweren, indem man sexualitätsfeindlich eingestellt ist. Ich frage mich nur, wie es jene Eltern damals machen, als sie dabei waren ihre Körper zu entdecken? Hinterm Heuschober oder gingen sie joggen, wenn die Libido mal wieder juckte?

Langsam nervt mich dieses Angstmachen, diese pseudoelitären Gedanken. Kein Mensch ist krank, nur weil er sexuell anders orientiert ist. Kommt runter vom hohen Ross der Moralität und verpackt es endlich, dass der Mensch nicht nur Glaubens- sondern ab und an auch Geschlechtswesen ist. Himmelherrgott.

 

Hier: Die Gegenpetition: https://www.openpetition.de/petition/online/gegenpetition-zu-kein-bildungsplan-2015-unter-der-ideologie-des-regenbogens

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2 thoughts on “Schwulettich

  1. Es geht noch besser (und bigotter): bei uns haben einmal Freikirchler – Eltern gegen die Lektüre “die kleine Hexe” von Otfried Preußler protestiert (wg. Hexe – des Satans – blablub).
    Harry Potter (dessen allegorische Grundaussage über 7 Bände ja auch ist, dass Liebe stärker ist als alle Magie – nur deshalb “siegt” Harry) ist ohnehin komplett des Teufels (Zauberei!), sollte ein ü 18 Label bekommen und aus Jugendbibliotheken entfernt werden…
    Die Tobifibel für Erstklässler wurde zumindest angefeindet dafür, dass die Tobis, liebenswerte Waldwesen, haarig sind und Schwänze haben (eine Fibel sollte nur Dinge zeigen, die es wirklich gibt!)

  2. Ich hab das selbst live miterlebt, dass superchristliche Superchristen “Harry Potter und der Feuerkelch” verbrannt haben und Michael Ende von einer Mutter in der Klasse einer Ex-Kollegin als Satanist bezeichnet wurde. Die sind so krank!

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