Caroline Heinrich – Was denkt der New Yorker, wenn er in einen Hamburger beißt?

 

Warum ich dieses Buch vorstelle? Nun, es hat viel mit der Situation zu tun, in der ich mich gerade befinde. Ich wurde zum 20. 12. aus dem Vorbereitsungsdienst entlassen und stehe noch bis zum 31. 3. unter den Argus Augen des Bundeslandes. Mir ist klar, dass ich nicht offen so Kritik üben kann, wie ich es gerne würde. Das macht aber die großartige Frau Heinrich, indem sie die Machtphänomenologie des Vorbereitungsdienstes offenlegt und analysiert. Der Klappentext bzw. die Kurzbeschreibung auf Amazon finde ich sehr spannend und es ist so geschrieben, dass man als Referendar ohne Brötchen im Gehirn auch gut durchsteigen kann.

“Die Gefahr für das Denken liegt heute nicht in dessen Bekämpfung, sondern in seiner Auflösung. Denn nichts ist dafür bedrohlicher als die Macht der Indifferenz.
Die Macht, die in Opposition zum Denken steht, ist in autoritären Gesellschaften Realität, während in unseren Gesellschaften die Grenze zwischen Macht und Denken gefallen ist. Dies hat nicht zur Versöhnung geführt zu einer Macht, die denkt , sondern zur Entleerung von beidem: zur Situation der Anführungsstriche, zur Denkmacht, die weder Macht noch Denken ist, zu dem, was Jean Baudrillard als Simulation bezeichnet.
Am Beispiel des Referendariats beschreibt die Autorin die buchstäbliche Verwirklichung des Simulationsprinzips: den Unsinn, den eine solche Denkmacht produziert einerseits, den Zwang, die Entleerung des Denkens als geglückte Versöhnung der Differenz zu verstehen, andererseits. Ein alltägliches Machtverhältnis wird so zur Parabel für die Gewalt der Indifferenz.
Die Mischung von subjektivem Bericht und philosophischer Reflexion erweist sich als Anknüpfung an die antike Tradition, in der Leben und Denken noch nicht geschieden sind, sowie an die neuzeitliche Tradition der Essays von Michel de Montaigne.”

Und was bleibt mir dazu noch zu sagen? Dass es diese Macht gibt? Dass es diejenigen gibt, die ein quasi-erotisches Verhältnis zu ihr haben und ihr in libidinöser Ergebenheit hörig sind? Diejenigen, die ihre komplette Blutsverwandtschaft für eine 100%-Stelle verkaufen würden, einschließlich ihrer Nieren und der halben Galle, gibt es wirklich. Und ja, genau die sind es, die eure Kinder erziehen werden. Ihnen Werte beibringen werden und euch mit ihrem Fachwissen gen Palme befördern. Genau diejenigen, die nun Menschen liefern…
…und doch ist es schön zu sehen, dass die Liebe zum Totalitarismus in manchen von uns so verankert ist, dass es für sie der Mittel zur Selbstverwirklichung ist. Die eigene Neurose als Lebensziel.
Genau deswegen halte ich mich an Wilhelm Reich und gehe mal eine Turnhalle suchen.

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2 thoughts on “Caroline Heinrich – Was denkt der New Yorker, wenn er in einen Hamburger beißt?

  1. Jetzt mal als Mutter: Also ich begrüße es ausdrücklich, dass meine Kinder schon in der Schule lernen durften, wie Menschen sind: dass es Vollhonks auch unter Lehrern gibt, dass es nicht jeder gut mit ihnen meint, dass Gedankenfreiheit nicht immer und bei jedem willkommen ist, dass man auf sich selbst vertrauen sollte und nicht auf das Geblubber von anderen, dass es in unserer Gesellschaft noch einiges zu tun gibt! Was, wenn nicht das, sollte sie besser aufs Leben vorbereiten? Gruseliger wäre es, wenn sie als naive Hasis im berufsfähigen Alter aus der Kuschelzone entlassen und den Wölfen vorgeworfen würden…

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