Vom Rummädeln

Ich kenne einen Jungen, dessen Spitzname Motzer ist, da er immer das sagt, was er denkt – sehr sympathisch. Neulich meinte er über einen Mitschüler, dass derjenige rummädeln würde. Als ich ihn fragte, was das bedeutet, meinte er, das sei, wenn ein Typ rumzickt und wegen allem zur nächstbesten Institution rennt, um zu petzen und das alles noch dramatisiert – eben rummädelt.

Als ich vom Arbeiten heim fuhr, lief Georgy-Girl im Radio. Eben jenes Lied über das Mädchen, das vollkommen glücklich und fancy-free durch die Welt schlendert. Wie passt das nun? Rummädelnde Männer und das Georgy-Girl…?

Ich habe einen Mitmenschen, der sich für Gottes größtes Glücksbärchi hält, denn er ist derjenige, der nie Fehler macht und immer alles toll hinbekommt. Alles ist optimal, wundervoll und er macht nie etwas falsch – dass er aber andere Menschen nebenher halstief in die Scheiße schubst, andere belügt und Dinge verbockt und dann beleidigt durch die Gegend stapft, das blendet er – ganz georgygirlig aus. Irgendwie bin ich sein Feindbild – ich stehe weder drauf, dass man mit mir redet, als hätte man mir statt eines Hirns ein weiches Brötchen geschenkt, noch muss ich jemanden anhimmeln, den ich irgendwie grützig finde. Ich nehm ihm sein ganzes Geläster und Geschleime aber auch irgendwie nicht mehr ab. Nachdem ich in den letzten Wochen versucht habe, nett zu sein und er wieder den ganzen Vogelschwarm abgeschossen hat, dachte ich, meiner Antipathie wieder freien Lauf lassen zu müssen. Mittlerweile kamen fünf oder sechs andere Mitmenschen, die mir ihren vollsten Respekt aussprechen, dass ich emotional so ehrlich bin.

Da dachte ich an den Jungen mit dem tollen Spitznamen. Die einen bekommen es wohl schon seit frühester Kindheit hin, geradlinig und ehrlich zu sein, andere nie. Früher wurde es oft Frauen zugeschrieben, dass sie nicht ehrlich sein könnten. Doch ab und an habe ich das Gefühl, dass viele Männer auch meinen, sich dieser scheinbar weiblichen Verhaltensstrategien bedienen zu müssen. Zynische Geister möchten diesen Menschen immer eine Packung Tampons schenken, für die Tage. Und langsam bin ich kurz davor wirklich eine Pubertätsgrundausstattung für diesen Menschen zu kaufen. Einfach nur, um zu merken: Dir sind schon lange imaginäre Zöpfe und Titten gewachsen und bald, bald bekommst du deine erste Monatsblutung, Gänseblümchen. Oder benimm dich gefälligst wie ein fast 30-jähriger Kerl. Wobei das ja schwierig sein könnte, immerhin baumeln deine Klöthen am Schlüsselband der Holden… oder wie ist es sonst zu erklären, dass sich Männlein und Weiblein im Laufe zumindest dieser speziellen Beziehung immer ähnlicher wurden?

Ich geh dann mal für das Ehepaar Menstruat- Ion Tampons und Kamillentee kaufen – das ist krampflösend. Hoffentlich auch im Kopf. 

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