Von der Überinszenierung intakter Hymen…

… oder: ich habe Hochzeitsfotos gesehen.

Vorneweg: Mit Hochzeiten ist es wie mit Schnitzeln. Entweder man hat Glück und hat ein tolles mit monströs- genialer Panade und dazu mega Kartoffelsalat oder Pommes. Diese Knallerschnitzel unter den Hochzeiten sind selten. Ich habe bisher zwei erlebt. Die anderen waren dann doch eher wie das gute Schnitzel mit Lätschepommes oder das gute Schnitzel mit guten Pommes und Sahnesoße aus dem Päckchen.

Was ich damit zum Ausdruck bringen will: Hochzeiten sind speziell. Die speziellsten, die ich bisher erlebte, waren immer die von christlichen Freikirchen. Seien es Akrobatikeinlagen zum Lobpreis des Herrn in der Kirche oder gospelsingende Versicherungsfachangestellte aus Unterwestwalxdorf. Auch schön sind diese hyperinszenierten Hochzeitsplätze. Eine Heirat vor einem brennenden Kreuz, bewirkt bei mir Konföderiertenbrechreiz oder singende Bräutigame, die ganz in Xavier Naidoo Manier Gott für die Angetraute danken. Zwischendurch werden diese ganzen gekünstelten „Oh, ich mache jetzt auch ein lustiges Gesicht“-Fotos im heiligen Schein der „Praise the Lord“- Fraktion gemacht.  Und alle sind so glücklich, dass man vermuten könnte, es befinden sich mehrere Tonnen Prozac im Cremebelag der Hochzeitstorte. Und alles ist voll supi.

Dass diese Paare meist nach ca 1 Jahr heiraten, findet hier auch keiner dubios? Und vor allem ist es auch voll in Ordnung erst zu heiraten und dann zu poppen. Das alles wird dann auch noch mit einer Selbstherrlichkeit präsentiert, dass man sich gerne übergeben würde. Und zwar mitten auf das betroffene Hochzeitskleid – frontal ins Gesicht unserer heiligen Braut. Um mich nicht falsch zu verstehen, es gibt genügend Paare, die auch in diesen Kreisen heiraten, weil sie es schon ne ganze Weile miteinander aushalten.

Mich nerven nur diejenigen, die mir einen Vortrag darüber halten, warum es sich lohnt, die sexuelle Katze im Sack zu kaufen. Es ist doch relativ egal, wann wer mit wem Sex hat, vorausgesetzt, es ist nicht nach deutschem Gesetz verboten. Ich habe mich lange genug mit jenen Positionen herumgeärgert, um feststellen zu können, dass man bei diesem Thema dann doch leichten Brechreiz bekommen könnte.

Vor allem, weil man bei konfrontativem Rum- und Nachbohren dann doch auf den Trichter kommt, dass jene Damen dann doch nicht so unbefleckt sind, wie sie tun. Und genau das erinnert mich an Garfunkel und Oats Lied über die Art des Sexes, die Gott nicht sehen kann.
Aber ist es nicht genau das Groteske daran? Einerseits wird das Thema so behandelt, als handele es sich um ein rohes Ei aus Nitroglyzerin, das sich bei der geringsten Erschütterung zur Atombombe entwickeln könnte, und andererseits stößt man in dasselbe Loch?

Mich fasziniert diese Doppelmoral. Man proklamiert die eigene moralische Integrität und gleichzeitig macht man Anderen Vorwürfe, dass sie Dinge tun, die man selbst macht. Nur weil eine abstrakte Größe von Frauen intakte Hymen fordert, heißt es noch lange nicht, dass es wirklich gut so ist. Es muss doch jeder selbst wissen, was er macht, auch wenn es andere nicht toll finden.

Deswegen gehe ich lieber zu Hochzeiten, auf denen das nicht das Thema ist, denn das sind die Deluxeschnitzel mit den guten Pommes unter den Eheschließungen, weil da jeder einigermaßen entspannt ist: Zumindest ideologisch…

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