Kinder und ihre Namen

Gerade scheinen sämtliche Frauen in meinem Umfeld Kinder zu bekommen. Andauernd laufen mir riesige Bäuche über den Weg, die zu Frauen gehören, deren Sexualien ich lieber gar nicht wissen will. Jedenfalls wird man, sobald man sich mit diesen Mädels unterhält mit potentiellen Namen konfrontiert, die oft an Schrägheit nicht zu übertreffen sind. Da dienen Fußballer (Lionel Messi, Marcello Lippi) und Bibelfiguren (jaaa, schon wieder Aaron, Noah und Eliah) als namensgebende Vorlage für den Namen des kleinen männlichen Menschen. Bei Mädels werden gerne Models (Tyra Banks, Naomi Campell oder Fiona Erdmann)oder Schauspielerinnen verwendet.

Doch inzwischen habe ich einen neuen Trend entdeckt: Was der Proletariermutter ihr Tyson Noah oder ihre Tyra Madlen, ist der gebildeten Mammi ihr Aeneas, ihre Ariadne oder auch ihre Rhea. Die weiter rechts orientierte Mutter greift hier auch gerne zum Wotan oder zur Freya. Aber warum suchen sich Eltern Namen aus, die ihren Kinder bereits im Alter von 2 Stunden den Stempel: “Schlauberger” auf die Stirn brandmarkt?

Es gibt Namen, die einen Menschen in eine Ecke drängen. So wird ein Aeneas nie Automechaniker oder eine Ariadne niemals als Modeverkäuferin arbeiten, denn der Name impliziert quasi schon die Intellektualität per se. (Ebenso wird ein Wotan auch weniger interkulturelle Kompetenz studieren- aber das nur al Rande) Sind es tief vergrabene Elternwünsche dem Kind auf dem Wickeltisch schon den Studienplatz und den Doktor der Altertumswissenschaften zu wünschen? Oder ist es doch die versteckte Rache für die Schwangerschaftsstreifen? Wer der Meinung ist, man könne mit einem normalen Namen wie Stephanie, Julia, Tim oder Christian keinen Doktortitel machen, der irrt. Schließlich untersuchen und dozieren uns sehr viele Menschen die kein bleibendes Trauma in Form ihres Vornamens mit sich rumtragen.

Und wenn das nächste Mal im Edeka die Mutti von Ariadne und Theseus sich darüber ärgert, dass Theseus Ariadnes rote Strümpfe zerrissen hat, werde ich in mich hineingrinsen und mich fragen, ob sie sich auch wundern wird, wenn der kleine Herakles die gesamte Wohnung unter Wasser setzt?

Andere Eltern greifen noch unverholener in die Kiste seltsamer Namen. So wurde ich in letzter Zeit nicht nur mit Theseus und Ariadne konfrontiert, sondern auch mit Leni und Odin. Die Eltern dieser Kinder sind schon in eine politische Ecke hineingeboren worden, die sie leider auch zu vergleichbaren Namensgeschichten greifen lassen.
Und egal, wie man seinem Kind seinen Namensstempel aufdrückt, es ist doch auch immer eine Diagnose. Kein Kind heißt mehr Julia oder Christian, sondern alle Namen wurden irgendwie in den Chantalizer geworfen und aus Anna und David werden plötzlich Alizar und Dior. Danke Individualismus. Ich nenne mich nun ab sofort nicht mehr Malina oder Laminatrice sondern nur noch Malicija Lamineria Jean. Danke!

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