Der Beweis, dass man jedes Lied zu Tode interpretieren kann

Das Lied “Wrecking Ball” von Miley Cyrus ist in neun Strophen gegliedert, zu denen zwei Refrains gehören. Das Lied thematisiert das Scheitern einer Liebe.

Die Sängerin spricht in der Ich-Form, woraus das lyrische Ich Teil dieser gescheiterten Liebe ist. Daher wird im Laufe dieser Arbeit vom lyrischen Ich im Femininum gesprochen.

 

We clawed, we chained our hearts in vain
We jumped never asking why
We kissed, I fell under your spell.
A love no one could deny

 

Die erste Strophe beschreibt das Verhalten der Geliebten gegenüber einander. So krallten sie sich aneinander und verschränkten ihre Herzen in die Ketten der Eitelkeit, sie ließen sich bedingungslos in Kämpfe miteinander verstricken, in denen sich die Protagonistin schließlich dem Du, also dem Partner, unterordnete. Sie begründet ihre Handlungen damit, dass sie diese Liebe nicht ablehnen konnte

Don’t you ever say I just walked away
I will always want you
I can’t live a lie, running for my life
I will always want you

In der zweiten Strophe klagt sie den Geliebten an, dass er sie des Scheiterns der Beziehung bezichtigte, was sie vehement ablehnt, da sie bereit war, alles für den Geliebten zu tun.

I came in like a wrecking ball
I never hit so hard in love
All I wanted was to break your walls
All you ever did was wreck me
Yeah, you, you wreck me

Im Refrain vergleicht sie sich selbst mit einer Abrissbirne, die die Liebe sehr hart getroffen und schließlich zerstört hätte, obwohl sie nur die Mauern der Intoleranz des Partners zerstören wollte, denn dieser hätte sie zerstört.

I put you high up in the sky
And now, you’re not coming down
It slowly turned, you let me burn
And now, we’re ashes on the ground

In dieser Strophe beschreibt das lyrische Ich ihre Gefühle gegenüber dem Geliebten. So wollte sie nie das Gefühl des Verliebsteins verlieren und war doch von seiner Distanziertheit verletzt. Sie hätte zwar für die Liebe gebrannt, so das lyrische Ich, doch seien beide Liebenden schließlich an der Liebe gescheitert und „zu Asche verfallen“.

[Refrain]

I never meant to start a war
I just wanted you to let me in
And instead of using force
I guess I should’ve let you win
I never meant to start a war
I just wanted you to let me in
I guess I should’ve let you win

In dieser Strophe erklärt das lyrische Ich sein Verhalten erneut. So wollte sie nie den Krieg beginnen, doch hätte der Partner sie dazu gedrängt, trotzdem wollte sie ihm das Feld überlassen. Durch die Wiederholung zeigt sie, dass dieses Anliegen ihr sehr wichtig war.

Das lyrische Ich zeigt in diesem Text Verhaltensweisen, die nach dem Scheitern einer Liebe nicht unüblich sind, denn trotz der Trennung werden oft Verletzungen des anderen vermieden und man selbst leidet schließlich darunter. Das lyrische Ich opfert sich nahezu für den ehemaligen Partner auf, um ihm dann die Möglichkeit zu geben, als Sieger aus diesem Konflikt hervorzugehen. Diese Aufopferung für den ehemaligen Geliebten zeigt, dass das lyrische Ich den Geliebten zwar nicht mehr als Partner möchte, ihn jedoch immer noch liebt und sehr an der Trennung zu arbeiten hat. Das, im Zuge dessen, von Selbstzeifeln zerfressene lyrische Ich versucht sich, über die eigenen Konflikte klar zu werden und das Erlebte zu verarbeiten, bewegt sich aber noch im Zwiespalt mit den eigenen Gefühlen.

Dieses Lied ist typisch für Lieder, die die Lebenswelt junger Frauen – gefangen zwischen Emanzipation und klassischem Rollenbild – darstellen. Diese Zerrissenheit findet sich oft in der Lyrik dieser Zeit wieder – beispielsweise bei Katy Perry oder auch bei den Frühwerken Britney Spears. Diese Problematik ist eine der Frauen dieser Generation, denn einerseits sind sie emanzipiert sozialisiert, verharren dann jedoch gleichzeitig in Aufopferung, Selbstaufgabe und Ohnmacht gegenüber dem Partner. Dies ist jedoch Teil des Erwachsenwerdens und muss vom lyrischen Ich durchlebt werden.

Cyrus thematisiert das Scheitern der eigenen Liebe und die damit verbundene Ohnmachtssituation, in der sie sich nach der Trennung vom Geliebten befand. Die fehlenden Verhaltensweisen zeigen sich besonders im Refrain. So versucht sie, den Hörerinnen zu verdeutlichen, dass jeder Mensch ähnliche Konflikte in Beziehungen durchlebt und daran wachsen muss…

 

… Kurzinterpretation für meinen 13er, der meinte, man könne dieses Lied nicht sinnvoll interpretieren… Sei gegrüßt 😛

 

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