Ihr seid schwanger – es ist keine Zeitbombe

In der Süddeutschen las ich heute Morgen, dass immer mehr Schwangere Essstörungen haben – weil man eine dieser Superkugelträgerinnen sein muss.

Ja, ich mag keine Schwangeren, denn ich kenne genügend Mädels, die glauben, sie werden nach 9 Monaten Little Boy austragen und die ihrem ungeborenen Kind schon einen Kult zuteil werden lassen, der nervt. Dabei geht es aber nicht um das Wohl des Kindes, sondern auch um die Angst der Mutter dick zu werden. Ou… man trägt ein Kind aus, da darf nur der Bauch dick sein und schön nach vorne gehen – egal ob man ein oder drei Kinder bekommt. Denn das Ziel ist es, nach der Schwangerschaft – im Idealfall gleich nach der Entbindung wieder in Größe 34 zu passen.

Zuvor wird aber in 9 Monaten ein regelrechter Kult um den kleinen Zellhaufen gemacht.Zunächst ist Tatsache total toll, dass man ein Kind bekommt und im nächsten Moment geht der Food-Terror los. Keiner darf mehr Alk trinken, rauchen oder nur etwas Schädliches denken. Dann kommt das Gebrabbel mit dem Essen. Nein, kein Räucherschinken/Rohmlichkäse/Salbei oder oder. Dafür viel Obst, Gemüse und andere Sachen – aber nicht nur für die Schwangere, sondern auch für alle anderen. Neulich hatte ich so ein Erlebnis.

Mit meiner Lacktoseintoleranz habe ich so meine lieben Schwierigkeiten, deswegen schwankt mein Gewicht auch ab und zu. Dazu kommt, dass mein Supermarkt jetzt nicht das Heim so ganz toller und guter Waren ist. Da ich keinen Bock hatte, wieder 10 Kilometer wegen drei Litern Milch zu fahren, stiefelte ich los. Im Supermarkt, sah ich eine Schwangere, die einbeigte. Ich nahm mir meine drei Liter. Sie meinte, ob ich auch in freudiger Erwartung sei. Ich verneinte und meinte, nein, ich habe nur keine Enzyme. Sie meinte daraufhin, dass laktosefrei doch voll gutes Diätzeug sei und dass der Milchzucker dem Kind eh schade.

Ich frage mich nur, warum zur Hölle man sich so einen Scheißdrecksstress macht. Meine Oma ging 1941 (ja so alt is meine Mom) im Bombenangriff nach der Feldarbeit ins Krankenhaus, entband und ging wieder heim. Meine Tante stand kurz vor der Entbindung noch im Geschäft und lief dann mal rüber, um die Tochter auf die Welt zu bekommen. Aber das war Mitte des letzten Jahrhunderts.

Gleichzeitig sehe ich die Qualen von Frauen, die keine Kinder bekommen können oder ihr Kind verloren haben. Es ist schon geil, sich damit zu beweisen, dass man ein Kind bekommen kann…

Und wie geht es dann weiter? Das sind die ersten Eltern, die am ersten Tag nach dem positiven Schwangerschaftstest das Kind in der multilingualen Kindertagesstätte anmelden, es im Bauch mit Mozart beschallen und den Zwerg mit fünf Monaten auf Diät setzen, damit Knuffel garantiert voll intelligent wird. Diese Eltern stehen dann dem Elternverein der privaten Kita vor, um den Erzieherinnen die optimale Gehirnförderung nach Spitzer und Co vorzustellen, pädagogisch voll turbotöftes Material mitgeben und vollkommene Erziehungsexperten sind, weil sie den Ratgeber von Ursula von der Leyen auswendig können. 
Diese Eltern sitzen bei meinen Ex-Kollegen mit hysterischem Heulkrampf weil Schnuffelpups ne 2 geschrieben hat, obwohl man eine 1 doch so verdient hat. Sie kreisen wie Bell UH-1 Hubschrauber über Vietkonglangern, sehnlichst wartend, dass sie ihre Bomben loswerden, wenn der Lehrer oder das andere unwürdige sogenannte pädagogische Fachpersonal einen falschen Räusperer loswerden.

Und was hat man dann? Das sind genau die Kinder, die nicht wissen, wo Grenzen sind? Die einem ins Gesicht fassen und nicht in der Lage sind, eigenständig eine verfickte Textaufgabe zu lösen, die wie folgt aussieht:

Chantalle hat 3 Äpfel und 2 Birnen. Davon schenkt sie eine Birne ihrer kleinen Schwester Jaqueline. Wie viele Äpfel hat Chantalle noch?

Diese überzüchteten Zwerge sind die Führungselite von morgen? Unselbstständig, arrogant und verhaltenskreativ. Diese Kinder sind diejenigen, die nicht kritikfähig sind und vor lauter Leistungsanspruch vor dem Abi schon Psychopharmaka fressen, wie andere Menschen Smarties. 

Liebe Schwangere, werdet entspannter. Erzieht Eure Kinder normal und verdammt nochmal – hört endlich auf mit dieser “Ich wurde besprungen”-Scheiße. Kein Mensch kann was dafür, dass Euch Euer Kerl besprungen hat und der Schuss ein Treffer war. Niemand muss es Euch gleichtun und keiner orientiert sich an Euren Essgewohnheiten. Und hört auf, im zweiten Monat schon zu helikoptern. Ihr nervt und das nicht nur alle Unschwangeren um Euch, sondern später auch Euer Kind.

Nebenbei schadet ihr Euch mit Eurem Perfekte-Kugel-Wahn und wundert Euch später, dass Eure Kinder später auch einen erheblichen Knacks entwickeln. Aber Hauptsache gehelikoptert und schon mal im Voraus Euren Elitestandpunkt klargemacht. Danke für eine Kindergeneration, die noch bescheuerter ist als die ganzen rosa Barbiemädels und völlig bescheuerten “ich muss ein schitzophrener Eier-Aus-Stahl-Supersoftie-Mann”- Jungs. Danke!

Artikel zum Blog: http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/41477/Unguter-Hoffnung

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