Angstfreie Schule – sonst kracht’s

Haaach, es war wie ein Schwall kühlendes Wasser auf meine Mühlen, als ich den folgenden Artikel las:

http://unternehmen-heute.de/news.php?newsid=219579

Denn daraus ist zu vernehmen, dass Schule krank mache, Kinder Angst vor ihren Lehrern hätten und andersrum. Dabei werden wieder wild administrative Probleme der Schulen diskutiert. Aber liegt das Problem nicht viel viel näher?

Jedes Mal, wenn ich Menschen meine Geschichte erzähle, als abgebrochene Referendarin öhm Lehramtsanwärterin, dann höre ich Sätze wie: “Sei froh”, “zum Glück bist du nicht so” oder “jetzt kannst du endlich was machen, das dich glücklich macht” und ja, das kann ich. Ich werde Euch mit meiner Geschichte verschonen, doch sind einige Dinge, die mir widerfahren sind, Grundlage für meine Ansichten und Meinungen.

Zunächst sollten sich Frau Wanka und Konsorten fragen, wer überhaupt Lehrer werden will und es dann schlussendlich wird. Viele Lehrer, die ich kennengelernt habe, sind passionierte, anständige Menschen, die für ihre Kids alles machen würden, ihnen vertrauen, sie schätzen und ihnen helfen. Aber es gibt die anderen, diejenigen, die aus einem inneren Bedürfnis in die Schulen gehen, endlich ihren Narzissmus vollkommen ausleben zu können. “Ich und meine Schüler” ist bei einigen nichts anderes als das Bekenntnis: “Sehr her, ich bin ein so geiler Hengst, dass ich, wenn es anatomisch möglich wäre, mich ständig selbst penetrieren würde – anal, damit ich zeigen kann, wie viel Macht ich über alles habe.” Und wenn diese Menschen nicht damit beschäftigt sind, sich moralisch und intellektuell vor den eigenen Schülern, der Schulleitung und den Kollegen voll einen vorzuwichsen, genau dann passieren zwei Dinge. Entweder versuchen sie ihr pseudomachiavellistisches Regime aufzubauen oder wie spielen Bachelorkandidatin, die sehnlichst auf die Rose des Schulleiters hofft. Und dabei ist es scheißegal, wer wann wie wo an den Haaren gerupft wird. Besonders beliebt ist die Fachlichkeitskeule. Leute, die mit einem Einserschnitt von der Uni kommen, sind dann plötzlich fachlich inkompetent, weil sie hinterfragen und verbessern und dann noch – unverschämterweise in der Lage sind, fundiert zu kritisieren.

Und genau dieser Welt übergeben Eltern ihre Kinder – ja, um es synonym zu sehen, sie kotzen sie in eine Welt, aus der die meisten Kids als gute Arbeitnehmer hervorgehen sollten, es aber nicht können, da sie in Grabenkämpfen zermalen werden, sich an rund 70 verschiedene Menschen und Stile anpassen müssen und sich meist anbiedern sollten. Sie sollen in erster Linie erfolgreich daraus hervorgehen und müssen sich nebenbei an mehr Regeln halten, als das StGB dick ist: Wann darf ich wo bei wem trinken? Darf ich meinen Schal anlassen oder brauche ich extra Bleistifte für den Physikunterricht. Frau A möchte bitte, dass wir nur Stecknadeln mit Kopf haben, Frau B ist es egal und wenn wir bei Frau C im Unterricht kippeln sagt sie nichts. Herr D möchte aber, dass wir dann vor die Tür gehen, Frau E möchte einen Kuchen und bei ihr darf ich Kaugummi kauen. Bei Herrn F darf ich das nicht, aber dafür kippeln?

Kinder müssen sich an gefühlte vierzig Regelsysteme halten, brav lernen und immer super sein, da ihnen das Damoklesschwert des §90 im Nacken hängt. Wer in solchen Momenten keine Angst entwickelt, ist entweder bescheuert oder resigniert. Was Lehrer oft vergessen ist, dass Kinder nicht nur Produkt ihrer Eltern, sondern auch der ihnen auferlegten Regelsysteme sind. Und dass aus Verwirrung Angst entsteht, dass sollte auch mal den Kultuspolitikern klar werden.

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